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Aktivitäten - Soziales Engagement - Pater Douteil

Pater DouteilDie Missionsarbeit des Pater Douteil- oder schlicht und ergreifend: „Wahnsinn“

Der 04.02.10 schien ein ganz normaler Morgen zu sein- und diese sind in der Regel nicht gerade spannend. Doch heute sollte es anders kommen. Es sollte ein sehr interessanter und emotionaler Morgen diesmal werden, der uns eine neue Sicht der Dinge und Nachdenklichkeit über das eigene Tun und Handeln bescheren würde. Wir hatten nämlich einen Gast, Pater Dr. Herbert Douteil, zu dessen Vortrag sich wir, der Erdkunde LK von Herrn Klein, und der Differenzierungs Kurs der Stufe 10, versammelten. Pater Douteil wollte uns seine Missionsarbeit in Cruzeiro do Sul im NW Brasiliens näher bringen. Zu dieser Bestimmung fand er jedoch erst sehr spät.

Der gebürtige Krefelder studierte Philosophie und Theologie an der Ordenshochschule der Spiritaner in Knechtsteden. Nach seiner Weihe zum Priester studierte er Musik und Latein auf Lehramt. Er hörte jedoch „niemals auf zu studieren“, wie er immer wieder beteuerte. Dies verdeutlicht auch die Veröffentlichung seiner drei Bücher: "Die Concordantiae caritatis des Ulrich von Lilienfeld". Drei Bücher. 5500 bedruckte Seiten und mehr als 120.00 Arbeitsstunden, in welchen Pater Douteil die mittelalterlichen Schriften des Ulrich von Lilienfeld durcharbeitete, sehr viel recherchierte und letztendlich übersetzte.

Aufgrund der guten literarischen Fähigkeiten des Paters wurde dieser von Bischof Heinrich Rüth 1979 dazu eingeladen, einen Film/ ein Buch über Brasilien und die dort arbeitenden Spiritaner zu kreieren. Der Pater, der sich eigentlich voll und ganz seiner Habilitation verschrieben hatte, ließ sich also auf das Abenteuer ein. Allein der Weg vom Erlangen des Visums bis zur Ankunft in Brasilien war ein hartes Durchboxen. Aber der wirkliche „Kampf“ stand noch bevor. Pater Douteil erzählte lebhaft von seinen ersten Schritten im Urwald. Überall Lehm und Schlick. Die Brücken bestehen aus einzelnen wackeligen Baumstämmen, umgefallenen palmenartigen Gewächsen, welche- genau wie die vielen Tiere eine Gefahr darstellten. Auch die unendliche Weite des Urwalds wurde uns schlagartig klar. Eine Hütte ist dort 25 min. von der anderen entfernt. Ungewöhnlich für Reihenhausbesiedler, wie uns. Während seines ersten Aufenthaltes spielte sich ebenfalls eine Tragödie ab. Ein Kind starb, weil nicht genügend medizinische Hilfe vor Ort war. Also fasste Pater Douteil einen Entschluss. Er wollte nicht, dass noch mehr Kinder sterben müssen. Er wollte helfen, wo Hilfe dringend nötig war und verschrieb sich der Missionsarbeit in Brasilien. Wichtig hier, sein eigener Bezug auf die verfassten Bücher. Er machte uns klar, dass die Habilitationsarbeiten sein Leben bestimmten, dass er dafür gelebt hat. Jedoch versicherte er, dass Bücher niemals das Leben des gestorbenen Kindes ersetzen können. Hier hilft nur selber handeln. Und genau das wollte er ab jetzt tun.
Alles fing mit der Errichtung der Armenapotheken an. Hier sollten hilfsbedürftige Menschen das finden, was sie zum Leben und zu ihrer Gesundheit benötigen. Dies war jedoch nur ein Anfang. Bei seinem nächsten Besuch brachte der Pater einen Augenarzt mit, welcher wiederum viele alte Brillen im Schlepptau hatte, welche an die Bevölkerung verteilt wurden. Insgesamt waren es 15.000 Stück. Mit weiteren Augenärzten baute sich dann langsam eine Art provisorische Klinik auf, in der auch operiert werden konnte. Somit konnte beispielsweise ein 8jähriger Junge durch die deutschen Ärzte das erste Mal in seinem Leben wieder sehen. Pater Douteil schilderte dieses Erlebnis auf eine sehr herzzerreißende Weise. Er erzählte, wie der Junge, dessen Kopf aufgrund der Blindheit immerzu nach unten gerichtet war, die Augen öffnete. Was er sah , ist in unseren Augen nicht besonders bemerkenswert: Den Fußboden. Jedoch war der Junge von diesem Anblick so fasziniert, dass er den Kopf gar nicht heben wollte. Er realisierte gar nicht, dass er nun ALLES sehen konnte. Der Anblick des Bodens war ihm quasi schon unvorstellbar wertvoll. Solche Augenblicke, so Douteil, sind „Motivation genug weiterzumachen. Sie sind das schönste was es gibt“. Nun wurden jedoch auch Zahnärzte gebraucht. Die Suche nach diesen war eine sehr schwere, jedoch kam es letztendlich dazu, dass auszubildende Ärzte, die gerade ihre praktische Arbeit begonnen, diese in Brasilien fortführten. Nun wurde operiert, was das Zeug hielt. Und es war wohl bitter nötig. Ein weiteres Projekt, welches von der Christoffel-Blinden-Mission unterstützt wird ( Jesuskind von Nazareth ), richtet sich an behinderte Kinder. Diese werden mit Hilfe von Physiotherapeuten so behandelt/massiert, dass ihre körperlichen Beeinträchtigungen verbessert, oder aber auch geheilt werden können. Zur Entkrampfung der Nerven und Sehnen der Kinder wird Botox eingesetzt. Dieses verbessert den Prozess sehr: Von 28 Kindern brauchen nach 8 Monaten 10 kein Botox mehr, da ihre Heilung schon genug vorangeschritten ist. Auch die Reaktionen dieser Kinder und ihrer Eltern schilderte Douteil in sehr emotionalen Worten. Die Angst, welche die Kinder vor den Physiotherapeuten haben. Die ersten Erfolge, welche die Kinder motivieren : Sie öffnen sich. Und schließlich die Freudentränen, wenn es ihnen wieder gut geht. Der Grund, weshalb diese Arbeit möglich ist, ist das Vertrauen, die Liebe und die Geduld, die die Ärzte mit sich bringen. „Es geht um den einzelnen“, so Douteil.
Jedoch widmet sich Douteil nicht nur den Kranken. Er will zusätzlich für die Gummischneider und die Indios da sein. Somit half er den brasilianischen Kautschukproduzenten, als deren Existenz durch Kautschukimporte aus Malaysia bedroht wurde. Bei einer Inflationsrate von 10% im Monat kaufte er als Händler den Rohkautschuk der einheimischen Bauern und verkaufte diesen mit Hilfe eines Abkommens weiter an die Stadt bzw. die Regionen- ganz zum Ärgernis der anderen Kautschukhändler, die auf einmal auf ihrer Ware sitzen blieben. Daraufhin gab es gleich drei Mordversuche, welche glücklicherweise fehlschlugen...

Und trotz all den Hindernissen, die sich ihm in den Weg stellten, führte Pater Douteil seine “Missions”-Arbeit unbeirrt fort und errichtete 2003 die “Polyklinik”, in welcher Ärzte, Krankenschwestern sowie Therapeuten und Katecheten ausgebildet werden können.
Desweiteren geht er jeden Tag im Radio auf Sendung mit seinem eigenen Programm, wo er eine Stunde lang Bibelstellen oder -texte zitiert. Er möchte zum Nachdenken anregen und das Vertrauen der Leute in Gott stärken. Pater Douteil dazu:”Diese Radiosendungen zu machen ist sehr anstrengend, da ich mir bei jeder Sendung so viel Mühe gebe, als wenn es meine letzte wäre. Denn ich möchte, dass die Menschen mich mit Hilfe der Radiosendungen in guter Erinnerung behalten. Ich sehe es als eine Art Testament.”
Hierzu passt auch einer seiner vielen Leitsätze: “Macht eure Arbeit gut, jeden Tag!”
Doch auch wenn der 75 jährige bereits an sein Testament denkt, denkt er noch lange nicht ans Aufhören. Sein neuestes Vorhaben ist die Arbeit mit drogenabhängigen Jugendlichen, welches sich wie alle anderen Projekte durch Spendengelder finanzieren wird.

Tja und schließlich, nach 2 Schulstunden, beendete Pater Douteil seine Erzählungen. Und zwar mit einem riesigen Lächeln auf dem Gesicht. Eines, welches Bände spricht und vor Allem von den glücklichen Gesichtern der brasilianischen Kinder und seinem vollen Vertrauen in Gott erzählt.

Hiermit möchten wir, die Schüler des Norbert-Gymnasiums, uns noch einmal bei Herrn Pater Douteil für den außergewöhnlichen Besuch bedanken! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für ihre kommenden Projekte und alles Gute!


Anna-Katharina Vogtschild
Christine Krenzel



Erstellt am 2010-03-18 21:27:43 von MPohl
Aktualisiert am 2010-03-19 09:37:32 von MPohl
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